Konferenzbericht: die Marketingstrategie der Bregenzer Festspiele
Ganz interessant war das, was Axel Renner, Kommunikationschef der Bregenzer Festspiele zu Beginn des zweiten Tages erzählt hat. Die Festspiele bieten im Zeitraum von vier Wochen (Mitte Juli bis Mitte August) rund 100 Veranstaltungen an, das Hauptinteresse gilt dabei natürlich der Seebühne, auf der alle zwei Jahre eine neue Operninszenierung angeboten wird.
Eingeladen als "Kulturmarke des Jahres" betrachtete Renner neben der inhaltlichen Qualität die sorgfältige Arbeit in Sachen Marketing und Kommunikation als einen der Hauptgründe für den Gewinn dieser Auszeichnung. Diese Arbeit läuft unter dem Motto, "wir stärken unsere Marke, weniger unsere Märkte" und basiert auf der Erkenntnis, dass man mit der Marke einen Wert besitzt, mit dem man vorsichtig umgehen muss.
Sich nicht auf die Märkte zu konzentrieren heißt: Internationale Märkte, wie die USA oder Asien, werden nicht bearbeitet. Diese Strategie habe sich bezahlt gemacht, meinte Renner, der auf die Passionsspiele in Oberammergau verwies, die in der Vergangenheit auf ein internationales Publikum gesetzt und nun angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise Probleme mit dem Ticketverkauf haben. Die Bregenzer Festspiele setzen vor allem auf den regionalen Markt und konnten daher von der Krise sogar profitieren, denn, so Renner, wer früher zu den internationalen Festivals gefahren sei, besuche derzeit eher in der Nähe stattfindende Festivals.
Wie werden die Zielgruppen angesprochen? Renner verwies einerseits auf das EM-Studie des ZDF auf der Seebühne, mit dem man in den Kernmärkten (D-A-CH) sehr präsent gewesen sei und entsprechend davon profitiert habe. Mindestens ebenso nützlich sei es gewesen, dass die Seebühne dem neuesten James Bond-Film als Kulisse gedient habe. Solche Ereignisse passen sehr gut in die eigene Strategie, denn "wir verkaufen keine Oper, sondern ein Erlebnis", so Renner weiter.
Auch an den Bregenzer Festspielen geht die Tendenz der BesucherInnen, sich immer später für den Besuch der Festspielveranstaltungen zu entscheiden, nicht vorbei. Deshalb konzentriere man sich stärker auf die Spätbucher. So wurde für die Mitte Juli startenden Vorstellungen bis heute ein Drittel verkauft, das zweite Drittel werde bis zu Beginn der Festspiele verkauft und der Rest werde dann innerhalb der vier Wochen an den Mann und die Frau gebracht. Das heißt, es ist nicht damit getan, mit dem Ticketverkauf zwei Monate davor zu beginnen, sondern man brauche durchaus das ganze Jahr. Um die restlichen elf Monate präsent zu sein, veröffentliche man alle drei Wochen eine Pressemeldung.
Immer wichtiger wird dabei der Ticketverkauf über das Internet. Ein Drittel findet auf diesem Weg einen Käufer, Tendenz steigend. Damit das Prozedere benutzerfreundlich sei, teste man das Prozedere mit älteren Menschen, um sichergehen zu können, dass hier keine Hürden vom Kauf abhalten.
Digitale Kommunikation ist für die Bregenzer Festspiele kein Thema, die Zielgruppen erreiche man vor allem über die Massenmedien, also Printmedien, Radio und TV. Noch besser funktioniert nur die Mundpropaganda, was für mich die Frage aufwirft, ob hier die digitale Kommunikation, sprich das Social Web, nicht doch ein Thema sein könnten? Entziehen kann man sich dem Thema eh nicht, so gibt es z.B. auf Facebook ein Profil der Bregenzer Festspiele, das anscheinend nicht von den Festspielen selbst betreut wird und in einem dementsprechenden Zustand ist. Farmville-Fans kommen hier vielleicht auf ihre Kosten, Fans der Festspiele nur bedingt. Zwar haben die Bregenzer Festspiele "nur" 352 Freunde, aber man bedenke das Potenzial.



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