Gleich geht es los mit der diesjährigen stARTconference. Wir werden live aus der Duisburger Mercatorhalle berichten und diesen Beitrag immer wieder updaten. Eröffnungsredner wird Gerd Leonhard sein, der auch dieses Jahr wieder dabei ist und sich hier auf das Thema Social Media im Kontext von Museen konzentriert.
Los geht es mit der Begrüßung durch Frank Tentler und Ulrich Keinath, dem Geschäftsführer von projekt2508, unserem Partner bei dieser Veranstaltung. Nun aber Gerd Leonhard...
Erster wichtiger Punkt: es gibt keine Rezepte im Bereich Social Media, zu groß sind die Unterschiede zwischen den verschiedenen Kulturen. Abgesehen davon sei der Begriff eh nicht passend. Es geht nicht darum, auf Facebook oder MySpace zu sein, sondern es geht um Offenheit. Dumm nur, dass Apple mit iPhone und iPad sich in die entgegengesetzte Richtung bewegt.
Internet, das ist heute Mobil+Social+Video, meint Leonhard, der prognostiziert, dass das Internet der Zukunft immer mobiler wird. In dieser Zukunft brauchen wir weiter Experten, denn es muss jemanden geben, der in der Lage ist, die Informationen zu filtern. Der Experte als "digital curator"...
Ineressant: warum folgen die User jemandem? Sie wollen etwas umsonst bekommen, was sonst gar nicht umsonst ist. Z.B. die ersten Tickets an Facebook-Fans verschenken, schlägt Leonhard vor, der selbst seine Fans "beschenkt". Die Idee dahinter: die Inhalte sollen sich viral verbreiten.
Vernetzung bedeutet Öffnung, was eine Herausforderung für uns bedeutet, aber gleichzeitig auch eine Überlebensstrategie darstellt. Öffnung heißt auch, die Besucher als gleichwertig anzuerkennen, sie zum Mitmachen zu bewegen. Banding statt Branding. Damit ist Kontrollverlust verbunden und Engagement gewünscht.
Verkauft werden keine Produkte, sondern Erlebnisse. => wir gehen dorthin, um uns dort zu treffen. Da ist sie wieder, die alte Weisheit: "art as a social hub" (Zitat Adam Thurman). Kultureinrichtungen müssen, um hier dabei zu sein, die entsprechenden Lebensräume schaffen bzw. Partner finden, die dazu in der Lage sind. Ein Beispiel dafür ist, so Leonhard, die Zusammenarbeit von Guggenheim und YouTube. (=> YouTube als wichtiger Kanal für Kunst und Kultur)
Viele Kultureinrichtungen nutzen Social Media, um neue Zielgruppen ansprechen zu können. Aber dort sind nicht mehr nur Kids zu finden. Die Zahl älterer User nimmt kontinuierlich zu, allen gemeinsam ist aber der Wunsch, etwas zu erleben, sich zu verbinden, zu kommunizieren oder selbst etwas zu produzieren.(=> das Mitmachweb ist eben doch kein so ganz falscher Begriff).
Die neue Kontrolle heißt Engagement, meint Leonhard und spricht damit einen der heiklen Punkte nicht nur im Kunst- und Kulturbereich. Engagement wird über Email nur schwer ausgelöst, das funktioniert via Social Media leichter. Trotzdem sollte man auf die Email noch nicht verzichten.
Interessant, dass Leonhard gleich darauf zum Thema Werbung kommt. Die klassische Werbung spricht uns nicht mehr an, bei der Mail haben wir ein ähnliches Problem. => Newsletter sind oft reine Werbung.
Zurück zu den Kultureinrichtungen: sie brauchen einen digitalen Botschafter, meint Leonhard. Sie sind es, die den Kontakt zu den Communitys aufbauen und halten. Um die Communitys mit den passenden Inhalten zu "versorgen", brauchen wir Informationen über die User, die verschiedenen Social Media-Kanäle bieten da jede Menge Infos, man muss sie nur nutzen.
Schön, dass Gerd Leonhard auch darauf hinweist, dass Kultureinrichtungen bzw. ihre "Botschafter" auch "connectors" sein müssen. Auch hier kommt zum Ausdruck, dass es um Kommunikation auf Augenhöhe geht. Hierarchien stören da eher.
Und am Ende seiner Präsentation macht Gerd Leonhard seinem Attribut MediaFuturist alle Ehre: er wagt den Blick in die Zukunft und zeigt, wie z.B. Museen Augmented Reality nutzen können. Das Erfolgsrezept wird aber auch zukünftig lauten: "etwas geben!"